Eine weitere Runde in Thailands Machtkampf ist geschlagen, doch der Konflikt zwischen Rot und Gelb schwelt weiter. Paul Handley, einer der besten Landeskenner, erklärt in der
Zeit, dass es dabei um einen Erbfolgestreit geht - und welch unheilvolle Rolle der König spielt.
Paul Handley ist US-Journalist und Autor des Buches "The King Never Smiles", das als kritisches Standardwerk über Leben und Wirken von König Bhumibol gilt - und in Thailand verboten wurde. In der Zeit (hier der Originaltext) analysiert Handley den aktuellen Konflikt zwischen den gelben Kräften, dem städtischen Establishment, und dem roten Lager, der von dem Tycoon Thaksin angeführten Landbevölkerung.
Mit wenigen Strichen charakterisiert Handley den König, der nicht nur der weltweit am längsten amtierende, sondern wohl auch reichste Monarch sei. Doch nun, gegen Ende seines Lebens, sei auch Bhumibol zu einer Schattenfigur des Machtkampfes geworden:
"Rote und Gelbe lieferten sich in den vergangenen Tagen in Bangkok Straßenkämpfe, es ist ein Kampf zwischen einer alten Elite und einer neuen Mehrheit, ein Kampf um Macht und Einfluss, vor allem aber um die Zukunft des Landes. Denn in gewisser Weise handelt es sich um einen vorgezogenen Erbstreit. Eine kaum verhüllte Panik hat das Land erfasst: Was soll nur aus Thailand werden, wenn der 81-jährige König stirbt?"
Dabei habe der König, der sich so überparteilich und unpolitisch gibt, in den letzten Jahrzehnten zur alles bestimmenden Kraft entwickelt, was sich unheilvoll ausgewirkt habe, so Handley:
"Bhumibols Regentschaft ist gekennzeichnet durch Instabilität und verspätete Demokratisierung. Ein für diese Missstände verantwortlicher Schlüsselakteur ist der königliche Palast. Während Bhumibols Amtszeit hat sich durchschnittlich alle sechs Jahre ein Putsch ereignet. Die meisten davon wurden vom Thron unterstützt – gegen die jeweiligen zivilen Regierungen, die dem Königshaus zu demokratisch agierten und deren Unabhängigkeit den königlichen Kräften nicht mehr hinnehmbar erschien."
Nun stehe der greise König am Ende seiner Lebenszeit und verfolge machtlos das Tauziehen der verfeindeten politischen Kräfte. Zwar gibt es einen Thronfolger, doch der gelte nicht gerade als Hoffnungsträger:
"Bhumibols Nachfolger wird die politische Macht des Throns ebenso erben wie das Bündnis des Palastes mit dem Militär und die Herrschaft über jene 35 Milliarden Dollar, die Bhumibol nicht als privaten Reichtum, sondern treuhänderisch als Nationalvermögen verwaltet hat. Bhumibols einziger Sohn aber, der 56-jährige Prinz Vajiralongkorn, wird von vielen Thailändern gefürchtet. Vajiralongkorn ist bekannt für seine Gewalttätigkeit sowie für sein schlechtes, ja peinliches Verhalten."
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