Allmählich werden die Finanzmärkte nervös, die Zinsen für US-Staatsanleihen steigen: führt Amerikas rasant steigende Verschuldung zwangsläufig in die Inflation - und dann in die Zahlungsunfähigkeit der USA? Torsten Riecke geht im Handelsblatt der Frage nach, wie realistisch dieses Horrorszenario ist.
Kein Zweifel, Amerikas Staat steckt in der Schuldenfalle, analysiert Torsten Riecke im Handelsblatt:
700 Mrd. Dollar kostet die Rettung der Banken. Noch einmal 787 Mrd. Dollar umfasst das staatliche Konjunkturprogramm. Die Hälfe ihrer Staatsausgaben finanziert die US-Regierung in diesem Jahr auf Pump. Das Haushaltsbüro des Kongresses geht davon aus, dass sich der Anteil der Bundesschulden am Bruttoinlandsprodukt innerhalb der nächsten zehn Jahre von 41 auf mehr als 80 Prozent verdoppelt. Das Haushaltsdefizit soll 2009 auf sagenhafte 13 Prozent steigen.Damit nähert sich Amerika bedrohlich einer Schuldenquote von 100 Prozent.
Dennoch könnten die USA nicht pleite gehen, schließlich verfügen sie über eine Notenpresse und können damit ihre Schulden finanzieren. Doch damit droht die nächste Gefahr: Inflation und der Verlust des guten Kreditratings. Hört sich harmlos an, ist es aber nicht:
Der Verlust des Gütesiegels bedeutet noch nicht die Pleite. Aber er signalisiert den Investoren rund um den Globus, dass selbst US-Staatspapiere nicht mehr ohne Risiko sind. Wobei das Risiko in einer Entwertung der Schulden durch stark steigende Inflationsraten besteht. Die psychologischen Folgen dieser Erkenntnis sind es, die vielen Ökonomen Angst machen. Verlieren die internationalen Anleger nämlich den Appetit auf amerikanische Staatsanleihen, könnte es zu einer negativen Kettenreaktion mit stark steigenden Zinsen und einem Dollar-Crash kommen, die den zarten Konjunkturfrühling abrupt beenden würde.
Im Moment setze sich auf den Anleihenmärkten die Auffassung durch,dass die US-Regierung mit Unterstützung der Notenbank versuchen wird, die Schuldenlast durch hohe Inflationsraten zu drücken. Renommierte Ökonomen wie Allan Meltzer warnen vor einer Rückkehr der "fürchterlichen Inflationsperiode" Ende der 70er-Jahre. Wie realistisch ist das aber? Zum Beispiel der Nobelpreisträger Paul Krugman halte dagegen:
Auf den ersten Blick scheint der Wirtschaftsnobelpreisträger die besseren Argumente auf seiner Seite zu haben. Das Preisniveau in den USA und in Teilen Europas geht sogar zurück. Überkapazitäten drücken auf Preise und Löhne. Deflation, nicht Inflation sei die größte Gefahr im Moment.
Doch dem Argument folgt Riecke nicht ganz. Mit der Schuldenfalle und den Inflationsgefahren sei es ähnlich wie mit den globalen Ungleichgewichten in der Weltwirtschaft:
Jahrelang warnen Ökonomen vor den Gefahren und nichts passiert. Alles halb so wild, denken viele. Bis die Blase dann irgendwann doch platzt und die Welt in eine Krise stürzt. Die Ungleichgewichte haben uns die erste Finanzkrise beschert, die Staatsschulden könnten uns die Krise 2.0 bringen.
Dennoch gebe es Auswege aus der Schuldenfalle, bislang habe die Regierung Obama mit ihren Rettungsprogrammen für die Banken und für die Konjunktur richtig gehandelt - weil nur so die "Kernschmelze des Weltfinanzsystems" verhindert werden konnte. Doch nun komme es aber darauf an, den Rückzug des Staates aufzuzeigen - und zwar so glaubhaft, dass auch die Finanzmärkte wieder Vertrauen fassen:
Die US-Regierung sollte bis 2014 einen ausgeglichenen Haushalt anpeilen. Zu diesem Zeitpunkt sollte die Rezession überwunden sein.
Das erfordert schmerzliche Einschnitte auch bei Wahlversprechen wie der geplanten Gesundheitsreform.